Alte Kunst
Alte Kunst | Auktion: 14.11.2019 | Vorbesichtigung: 08.11.2019 - 11.11.2019

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Los 1173

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Auktionsergebnisse zu: Hans Thoma

Thoma, Hans
1839 Bernau - 1924 Karlsruhe

Apoll und Marsyas. Öl auf Karton. 76 x 100cm. Monogrammiert und datiert unten links: H.Th.(lig.) 93. Originalrahmen des Künstlers.

Rückseitig:
Auf dem Rahmen verschiedene alte Klebezettel mit Nummern.

Literatur:
Thode, Henry (Hrsg.): Thoma. Des Meisters Gemälde, Stuttgart und Leipzig 1909, S. 258 mit Abb. Hier mit der Datierung 1886 und leicht abweichender Abmessung.

Provenienz:
Privatsammlung Süddeutschland.

Der Wettstreit von Apoll und Marsyas, die Hybris des Irdischen gegenüber dem Göttlichen, stellt Hans Thoma hier in einer noch ganz friedlichen Phase dar: Der am Boden sitzende, Flöte spielende Marsyas, auf den der stehende Gott hinabblickt, wird als Mensch und nicht wie häufig als Faun gezeigt. Die Musen, die nach Ovid im Wettstreit der beiden Musiker richten sollen, sind ebensowenig zu sehen wie Apolls Instrument, die Leier - wiewohl der Fuß des im nächtlichen Schatten liegenden Baumes in der Bildmitte der Form des Instrumentes nahe kommt.
Dass der siegreiche Apoll dem unterlegenen Marsyas zur Strafe für seine Anmaßung später die Haut abziehen soll, scheint in diesem arkadischen Idyll nicht vorstellbar. Ganz offensichtlich kannte Hans Thoma das berühmte Renaissance-Gemälde "Apoll und Marsyas" von Perugino (heute Paris, Louvre) und überführte die Szene vom hellen Tag in die Nacht.

Nur sehr wenige mythische Stoffe hat Hans Thoma mehrfach gestaltet. Das Marsyas-Thema scheint für ihn eine besondere Bedeutung gehabt zu haben, denn in drei sehr unterschiedlichen Darstellungen hat er dieses Thema variiert, wobei die hier gezeigte Fassung den größten Deutungsspielraum eröffnet. Wäre der Titel des Gemäldes nicht durch Henry Thodes große Thoma-Monographie von 1909 bekannt, würde der nur durch sein leuchtend rotes Gewand hervorgehobene Apoll wohl als ein weiterer Hirte angesehen, der dem Spiel des Sitzenden lauscht.

Seit seiner ersten Italienreise 1874 war Thoma mit dem Maler Hans von Marees befreundet, der in seinem Werk, ähnlich wie Thoma im vorliegenden Bild, mythologisch motivierte Szenen ins Allgemeingültige überführt hat. Die Bildauffassung, wie auch die dunkle Farbwahl mit den punktuell gesetzten Kontrasten, reflektieren die Auseinandersetzung Thomas mit dem Werk des Freundes deutlich.

Bemerkenswert ist der von Thoma selbst gestaltete Rahmen, der auch auf der Abbildung bei Thode zu sehen ist. Im Oktober 1893 schrieb Thoma an Henry Thode: "Ich habe aber (...) Rahmen gemalt mit Blumen und Arabesken - die gar nicht übel aussehen und den Bildern etwas Wandbildartiges verleihen. - Die Goldrahmen und das dumme Schreinerwerk um die Bilder wird mir immer mehr zum Greuel." Dass die von Thode angegebene Datierung (1886) von der auf dem Bild befindlichen (1893) abweicht, ist vielleicht damit erklärlich, dass das Bild bei der Zusammenfügung mit dem Rahmen von Thoma überarbeitet und aktuell datiert wurde. Auch ein Redaktionsfehler ist möglich, denn auch die Maße differieren bei Thode leicht. Die Abbildung in Thodes Monographie zeigt in Rahmen und Gemälde das identische Gesamtkunstwerk.

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