Alte Kunst
Alte Kunst | Auktion: 14.11.2019 | Vorbesichtigung: 08.11.2019 - 11.11.2019

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Los 1043

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Auktionsergebnisse zu: Adriaen von Ostade

Ostade, Adriaen von
Haarlem 1610 - 1684

Tanzende Bauern in der Scheune. Öl auf Holz. Parkettiert. 44 x 59,5cm. Rahmen.

Rückseitig:
Auf der Tafel Sammlungssiegel.

Provenienz:
- Auktion Sammlung T. Shiff, Paris, Drouot, 21.03.1905, Lot 124 mit Abb. als I. van Ostade;
- Auktion Sammlung J.H[omberg], Paris, Petit, 11.03.1923, Lot 30 mit Abb., verkauft an Mensing;
- Auktion Amsterdam, 25.11.1924, Lot 57 mit Abb.;
- Auktion Amsterdam, F. Muller, 11.12.1956, Lot 88 mit Abb.;
- F.H. Enneking, Amsterdam, hier ausgestellt bei Oude Kunst- en Antiekbeurs, Delft, 1957;
- Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.

Mit seinen Variationen der Bauernthemen steht Abraham von Ostade in der Tradition Pieter Breughels d.Ä., der diese Thematik etwa 100 Jahre zuvor zu einer eigenständigen Bildgattung erhoben hatte. Bei dem städtischen Publikum, Sammlern und Kritikern standen die Darstellungen des andersartigen Lebens hoch im Kurs und Adriaen, wie auch sein jüngerer Bruder Isaak von Ostade wurden die Spezialisten Hollands für dieses Sujet.

In den südlichen Niederlanden hat Adriaen Brouwers, der gemeinsam mit Adrian von Ostade bei Frans Hals gelernt haben soll, die Bauernthemen zu seinem Thema gemacht. Adriaen von Ostade, der in Haarlem lebte und ein geachtetes Mitglied und im Lauf seiner Karriere auch Dekan der Lukasgilde war, hat sich stilistisch allerdings mehr mit dem Werk seines großen Zeitgenossen Rembrandt als mit dem seines Meisters Frans Hals auseinandergesetzt. Zwischen Haarlem und Amsterdam liegen 20 Kilometer; eine Strecke, die auch im 17. Jahrhundert einen Austausch zuließ.

Die von Rembrandt revolutionierte Gestaltung von Licht und Schatten ist auch in dem hier angebotenen "Bauerntanz" greifbar. Anders als in vielen frühen Werken Ostades ist die Lichtquelle, die die Szenerie bescheint, hier zu sehen: Durch das bleiverglaste Fenster auf der linken Seite fällt helles Licht auf die ausgelassene Gesellschaft, die sich in dem bäuerlichen Ambiente tummelt. Der auf dem niedrigen Tisch stehende Geiger, die drei mit großer Geste einen Reigen tanzenden Männer, die lachenden Zuschauer befinden sich innerhalb dieses Lichtstreifens. Die dezente aber klare, für Ostade typische Farbigkeit der Gewänder leuchtet in dem beschienenen "Bühnenraum" und kontrastiert zu den Braun- und Grautönen des nicht vom Licht erfassten Umraumes.

Dabei hielt Ostade sehr feine Details fest: Wie das Streiflicht auf die rückwärtige Wand fällt, auf der der hohe Hut des vorderen Tänzers sich als goßer Schatten abzeichnet; oder wie aus den Schuhen des vorderen Tänzers Strohhalme herausgucken. Der Betrachter wird in dieser Szene immer wieder Neues entdecken können.

Das Handeln der Bauern ist hier als rein heiterer Frohsinn dargestellt. Den moralischen Hinweis auf das notwendige Maß-Halten gibt allein die Figur in der linken unteren Bildecke, die aber so weit vom Licht entfernt ist, dass sie - obwohl dem Betrachter am nächsten - doch leicht übersehen werden kann.
Vielleicht ist für den gebildeten Betrachter des 17. Jahrhunderts allerdings eine politische Deutung dieser oberflächlich unverfänglichen Szene lesbar gewesen: Die Haltung der drei Tänzer entspricht auffällig den Bewegungstypen der Morisken-Tänzer. Sollte Ostade hier eine Anspielung auf die von den Spaniern ebenso unterdrückte und erst zwischen 1609 und 1611 aus Spanien ausgewiesene Minderheit gemacht haben?

Dieses seit den 1950er Jahren in Deutschem Privatbesitz befindliche Gemälde mit dem möglicherweise hochpolitischen Inhalt kann hier völlig marktfrisch angeboten werden.


Wir danken Fred G. Meijer, Amsterdam, für seine freundliche Unterstützung.

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Bedingungen



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