Modern, Post War & Contemporary
Modern, Post War & Contemporary | Auktion: 16.06.2021 | Vorbesichtigung: 11.06.2021 - 14.06.2021

Los 8

Nachverkauf endet
08T 07h:40m:41s 16.06.2021 - ca.10:04 Uhr
(Donnerstag, 01. Juli 2021 - 09:00:00)
Taxe
200.000 - 300.000 €
Mindestgebot

150.000,00 €

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Auktionsergebnisse zu: Lovis Corinth
CORINTH, LOVIS
1858 Tapiau/Ostpreußen - 1925 Zandvoort

Titel: Odaliske.
Datierung: 1920.
Technik: Öl auf Holz.
Maße: 81,5 x 64,5cm.
Bezeichnung: Signiert und datiert oben links: Lovis CORINTH 1. März 1920.
Rahmen/Sockel: Modellrahmen.

Provenienz:
- Sammlung Heinrich Thannhauser, Berlin
- Sammlung Dr. A. Ebering, Magdeburg
- Galerie Mattheisen, Berlin
- Privatsammlung Stockholm und Berlin (von o.g. erworben und in der Familie weitervererbt)
- Dr. Nöth, Kunsthandel + Galerie, Ansbach
- Privatsammlung

Ausstellungen:
- Nationalgalerie, Berlin 1926, Nr. 313, S. 71 (hier betitelt: Orientalische Tänzerin)

Literatur:
- Berend-Corinth, Charlotte: Lovis Corinth - Die Gemälde, Werkverzeichnis, neu bearbeitet von Béatrice Hernad, München 1992 (2. Auflage), WVZ.-Nr. 786, Abb. S. 754
- Corinth, Thomas: Lovis Corinth - Eine Dokumentation, Tübingen 1979, S. 270 und 272

Betrachten wir Lovis Corinths "Odaliske", so blicken wir zunächst "nur" auf ein schillerndes Gewirr von schwungvollen pastosen Pinselstrichen in Weiß und all seinen Nuancen. Von diesen kontrastreich hervorstechend sehen wir dann blaue, rote und gelbe Farbtupfer. Sie sind ein erster Orientierungspunk, von dem aus wir das Gemalte "durchwandern" können. Und so entdecken wir eine Frauengestalt in einer weißen perlenbestickten Pluderhose und einem bunten Oberteil. Dazu trägt sie einen langen weißen Schleier um Kopf und Schulter, mit dem sie ihr Gesicht verdeckt; nur ihre großen dunklen Augen gibt sie frei. Mit ihren erhobenen Armen und ihrer Hüfte deutet sie eine tanzende Bewegung an, die von den fließenden Stoffen rhythmisch weitergeführt und schließlich von der Umgebung aufgenommen wird, sodass der ganze Bildraum erfüllt ist von einer ungeheuren Dynamik.

Dargestellt ist Charlotte Berend-Corinth, die dem Künstler in über 80 Gemälden Modell steht. Möglicherweise hat Corinth seine Ehefrau nach einem lustigen Kostümfest gemalt. So wie er es 1924 tut, als sie bei einem Fest in der Berliner Sezession als Spanierin verkleidet erscheint (vgl. "Carmelita", 1924, Städel Museum, Frankfurt a.M.). In beiden Bildern gilt Corinths Interesse weniger der genauen Wiedergabe physiognomischer Details als vielmehr dem Festhalten eines bestimmten Momentes etwa nach einer amüsierenden Feier. Erotik und Sinnlichkeit sind jeweils sein Thema. Während er ersteres im späteren Gemälde hervorhebt, indem er die vollen Brüste der Frauengestalt umrahmt vom schwarzen Kleid präsentiert, deutetet er in unserem Bild ihren durch das leicht verrutsche Oberteil freiliegenden Busen nur flüchtig an.

Mit dem Sujet beschäftigt sich Corinth in vielen seiner Bilder, insbesondere in den Darstellungen des Harems. Bei diesem greift er den im 19. Jahrhundert entstandenen Mythos des "verbotenen Raumes" im Orient auf - jenen vermeintlichen Ort sinnlicher Lust, in dem sich zur Freude des männlichen Betrachters die schönsten, ansonsten verschleierten, Frauen träge und in voller Hingabe auf Bettlagern wälzen oder Bäder genießen. "Das Publikum denkt unter einer derartigen [d.h.: Erotisches darstellenden] Kunstrichtung sich etwas Unanständiges und nur an stillsten Orten zu Betrachtendes. Ich selbst habe darüber andere Begriffe: das Gefühlsleben der Menschen ist in dem Drange der Geschlechtsberührung zueinander ein weit schwungvolleres. Wie die Musik in den Menschen und in dem Gesange der Vögel eigentlich nur auf Geschlechtsempfindung beruht, so ist auch die Malerei rein sinnlicher Ausdruck. Ich kann wohl sagen, dass die Erotik das Geistvollste und am schwersten zu Bewältigende sein wird als rein malerischer Begriff. Der Künstler muss - wie der Priester auch, alle Seelenregungen der Natur erkennen lernen, nur so kann er zu einem Künstler und der Priester zu einem verständigen Menschen heranreifen." (Corinth in einer Notiz, Berlin 15. April 1923). In diesem Sinne zeigt uns Corinth mit seiner "Odaliske" eine rauschende Feier der Sinnlichkeit, die er in kaum einem anderen Bild auf eine solch abstrakte und bewegte Weise dargestellt.
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