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Fine Art | Auktion | 15.05.2023 | Vorbesichtigung: 11.05.2023 - 14.05.2023

Los ist verkauft

Los 1 | Joos van Cleve, Werkstatt/Umkreis | Die Madonna der Kirschen

Taxe
20.000 - 30.000 €
D
Ergebnis:
(inkl. Aufgeld)
26.400 €

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Auktionsergebnisse zu: Joos van Cleve, Werkstatt/Umkreis
CLEVE, JOOS VAN
um 1485 Kleve - 1541 Antwerpen

Werkstatt/Umkreis

Titel: Die Madonna der Kirschen.
Datierung: Um 1540-1550.
Technik: Öl auf Holz.
Maße: 45,5 x 31cm.

Provenienz:
Privatbesitz, Deutschland.

Durch ein Geländer vom Betrachter getrennt, blickt eine Mutter liebevoll auf ihr Kind und reicht ihm Kirschen. Es könnte sich um eine alltägliche Szene aus dem 16. Jahrhundert handeln, wenn nicht bestimmte Elemente darauf hindeuteten, dass es sich um die Jungfrau Maria und Jesus handelt. Die Kirschen, die auf der Brüstung liegen und von der Mutter dem Kind angeboten werden, sind durch ihre herzförmige Form und Farbe ein Symbol für die Liebe Christi und sein am Kreuz vergossenes Blut. Die Kirsche, saftig und süß, ist auch eine Anspielung auf die Frucht des Baumes Eden, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Garten Eden führte. Die Rose hat ebenfalls die doppelte Bedeutung des am Kreuz vergossenen Blutes, aber gleichzeitig auch der Güte Gottes und der Gnade, die er dem Menschen gewährt. Der grüne Papagei schließlich, den das Kind in der rechten Hand hält, ist ein weiteres christliches Symbol: Das Tier wird oft als Symbol für die Verkündigung des Erzengels Gabriel an Maria verwendet, denn nach einer Überlieferung könnte der Papagei dank seiner Sprachfähigkeit das Ave sagen, was ihn mit der Verkündigung in Verbindung bringen würde.
Es geht also um ein kleinformatiges Gemälde, das mit Symbolen gespickt ist, die der Betrachter im 16. Jahrhundert mühelos entschlüsseln konnte, während sie in den Augen des modernen Menschen schwieriger zu kontextualisieren sind.
Der Autor dieser prächtigen Darstellung der Madonna mit Kind ist in der Werkstatt oder im Umkreis von Joos (oder Joost) van Cleve zu finden. Van Cleve war einer der wichtigsten Künstler der Antwerpener Schule, hauptsächlich tätig in den Jahren 1515-1530. Er ist vor allem für seine Porträts und Gemälde mit religiösen Themen bekannt: Seine Werke waren für die öffentliche und private Andacht sehr gefragt. Einige seiner Madonnen mit Kind verraten große Ähnlichkeit mit dem vorliegenden Gemälde, für das daher eine Datierung um 1540-1550 zu vermuten ist. Es scheint, dass mindestens zwei Künstler an der Ausführung dieses Gemäldes beteiligt waren, oder zumindest gab es zwei Ausführungsphasen, da bei der mikroskopischen Analyse nicht zu vernachlässigende Unterschiede in der Art und Weise, wie das gelbe Pigment aufgetragen wurde, festgestellt wurden. Es ist wahrscheinlich, dass ein sehr erfahrener Maler aus der Werkstatt von Joos van Cleve die Madonna gemalt hat, während das Kind das Werk eines Schülers oder eines anderen Künstlers ist, der die Arbeit übernommen hat (vielleicht aufgrund des Todes des ersten Malers).

Eine Infrarot-Reflektographie an der TH Köln ergab eine darunterliegende Zeichnung aus einem trockenen, dunkel gefärbten Material, auf der Adam und Eva mit der verführerischen Schlange dargestellt sind. Eva steht in einer Landschaft und nimmt mit ihrer rechten Hand einen Apfel von der Schlange, in ihrer linken Hand hält sie einen zweiten Apfel. Adam sitzt vor ihr und streckt seinen rechten Arm nach Eva aus. Die Röntgenaufnahme ergab, dass die Komposition mit Adam und Eva nicht in Öl gemalt wurde, während die Madonna und das Kind ohne nennenswerte Pentimenti separat gemalt wurden.
Das Erkennen der zugrundeliegenden Zeichnung verrät eine sehr gängige Praxis der Wiederverwendung von Material, bei der die erste Idee aufgegeben und das Material im Nachhinein aus Kostengründen wiederverwendet wurde. Merkwürdigerweise sind die beiden Themen, die Erbsünde und die Madonna, die dem Kind die Kirschen reicht, durch die Symbolik der Früchte - Apfel und Kirschen - eng miteinander verbunden. Sie spielt auf die Sünde und die Erlösung des Menschen durch das Opfer des Gottessohns an.

Das Gemälde wurde in der Technischen Schule Köln mit verschiedenen zerstörungsfreien Analysemethoden untersucht, um ein besseres Verständnis der verwendeten Materialien und Techniken sowie des Zustands zu erlangen: Stereomikroskopie, Infrarot-Reflektographie (Osiris, 900-1700nm) im Jahr 2018, UV-Licht-Untersuchung und Röntgen (Seifert ERESCO 150KV/0.5mA / Examion CR 3X-pro) RFA-Analyse (Niton XLt).

Der Untersuchungsbericht, erstellt in Köln am 10.03.2020, ist verfügbar.

Wir danken Suzanne Laemers, RKD, Den Haag, und Maryan Ainsworth, New York, für Ihre freundliche Unterstützung bei der Katalogisierung des vorliegenden Gemäldes.

Ansprechpartner/Ansprechpartnerin:
Dr. Davide Dossi
Fine Art
+49 221 92 58 62 200

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Inventar Nummer: 75670-1